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Accessoires


Accessoires


On the Catwalk! In dieser Kategorie finden Sie alle Must-Haves und It-Pieces der modernen Teekultur von samova. Schön und trotzdem praktisch!

 

 

Die Teekanne – Königin der Tafel


Spätentwickler


Sie ist die Eleganz par Excellence. Wohl kaum ein Trinkutensil hat die Menschen so verzaubert wie die Teekanne. Ihr bauchiger Körper lud Schönschreiber und Dichter im alten Fernosten ein, sich mit Schriftzeichen, Versen und Geschichten auf ihr zu verewigen, regte Maler an, sie mit Bildern und Ornamenten auszufüllen.

Doch fand nicht nur die Kunst auf die Teekanne, sondern die Teekanne auch in die Kunst. Da ist zum Beispiel das Märchen von Hans Christian Andersen, in dem eine Kanne ihren Weg vom stolzen Porzellangefäß zum armseligen Scherbenhaufen erzählt. Oder das Gleichnis des Philosophen Bertrand Russell. Der schickt seine Kanne ins ferne All auf eine Umlaufbahn um die Sonne und setzt sie in Parallele zu einem Gott, an den man glauben kann oder nicht.

Kommen Teekannen heute auch eher schlicht daher, haben sie dennoch nichts von ihrer Grazie verloren. Im Hinblick aufs Design bilden sie den Mittelpunkt eines jeden Tafelservice’. Seltsam nur, dass sie so lang haben auf sich warten lassen – genaugenommen von der Entdeckung des Tees vor fünftausend Jahren bis zum frühen 16. Jahrhundert, der Blütezeit der Ming-Dynastie (1368 – 1644). Wie kam es zu ihrer Entwicklung?

 

Keine Hand frei


Am Anfang war die Schale, ein schlichtes rundes Ding aus Keramik oder Bambus. Lange Zeit diente es den Menschen in China – wo der Tee auch herstammt – sowohl zur Zubereitung als auch zum Verzehr von Tee. Ein solches Gefäß musste nur groß genug sein, damit ein guter Aufguss gelingen konnte, und gleichzeitig kompakt genug, um es zum Trinken in der Hand zu halten. Tatsächlich waren die alten Chawan (so die auch heute noch in China und Japan geläufige Bezeichnung für die Teeschale) so groß, dass man sie mit zwei Händen halten musste. Eine unpraktische Angelegenheit – wird sich der eine oder andere doch ordentlich die Finger verbrüht haben. Dass außerdem keine Hand frei war für andere Dinge, dürfte lediglich Teilnehmern einer Teezeremonie genützt haben, denn dort gilt dem Tee ungeteilte Aufmerksamkeit.

Zu Beginn der Ming-Ära bekam die Schale Deckel und Untertasse, nannte sich fortan Gaiwan und erfüllte schon annähernd die Funktion einer Teekanne. Zwar handelte es sich nach wie vor um ein Gefäß zum Trinken. Jedoch auch zum Abgießen, wobei der Deckel dazu diente, die Blätter zurückzuhalten. Dies wurde besonders ratsam, als schwarzer Tee aufkam, denn hier lösen sich nach längerem Ziehen die Bitterstoffe aus den Blättern, und die schmecken eben, nun ja… bitter.

 

Ein Daumenabdruck als Markenzeichen


Den Sprung zur Teekanne erläutert die Geschichte vom jungen Diener Gong Chun aus dem 16. Jahrhundert. Dessen Herr, ein Gelehrter des Kaisers, musste für eine Weile in den Jinsha-Tempel nahe der Stadt Yixing ziehen, um sich dort auf seine kaiserliche Prüfung vorzubereiten. Gong Chun zog mit und freundete sich bald mit einem Mönch an, der im Tempel töpferte. Schon damals galt das Töpfern im ostchinesischen Yixing als ein altes Handwerk, verfügte die Region doch über den hochwertigen Purpur-Ton, auch Zisha-Ton genannt.

Nun stand im Garten des Tempels ein betagter Ginkgo-Baum. Der hatte es Gong Chun angetan, und zwar wegen dieser dicken Holzknolle an seinem Stamm. Sie inspirierte ihn, ein Gefäß zu gestalten, das bis heute die Form gängiger Teekannen bestimmt.

Als guter Geschäftsmann verpasste Gong Chun seiner Kreation ein Markenzeichen, indem er einen Daumenabdruck im Kannenboden hinterließ. Er hatte den Nerv der Zeit getroffen: Mehr und mehr verdrängten lose Teeblätter den bis dahin üblichen pulverisierten Tee, der mit Wasser in der Schale verrührt wurde. Gong Chuns dickbauchige Kanne eignete sich insofern hervorragend, als sich das Aroma der Blätter in großvolumigen Gefäßen bestens entfalten und sich der fertige Tee durch eine Tülle problemlos abgießen lassen kann.

 

Das Auge trinkt mit


Viele kopierten seither die Gong-Chun-Teekanne in diversen Materialien – Porzellan, Eisen, Messing, Silber und Glas. In Europa waren es – wie sollte es anders sein – die Engländer, die die Teekanne einführten. Das älteste Exemplar ist aus Silber und lässt sich auf das Jahr 1670 datieren.

Indem Ton aufgrund seiner porösen Beschaffenheit das Aroma einer Sorte aufnimmt, intensiviert er mit der Zeit deren Geschmack. Eine willkommene Eigenschaft, solange man auch nur eine Sorte aus ein und derselben Kanne trinkt. Wechselt man die Sorte wie seine Kleider, entwickelt sich ein Mischmasch aus Aromen, sodass nach dem hundertsten Gebrauch ein Tee wie der andere schmeckt.

Anders bei glatten Materialien, insbesondere Glas. Sofern kein Aroma gebender Schleier auf dem Material erwünscht ist, kann man sie gründlich spülen – das spart Teekannen. Eine gläserne Kanne hat darüber hinaus einen entscheidenden Vorteil: Der Tee ist sichtbar. Es lässt sich auch ohne Uhr erkennen, wann er genug gezogen hat, und schließlich trinkt das Auge mit. Wohl bekomm’s!