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Schwarzer Tee


Schwarzer Tee – eine zufällige Erfindung?


Wer hat den schwarzen Tee geschwärzt? Niemand. Tee wird von allein schwarz, wenn man ihn in seiner ursprünglichen Form, nämlich als grünen Tee, an die feuchtwarme Luft setzt und oxidieren lässt. Allerdings müssen die Blätter vorerst gerollt oder gebrochen werden, damit die ätherischen Öle aus den Blättern treten können. Dem einen oder anderen mag dieser Vorgang auch als Fermentation bekannt sein. Das ist in etwa so wie mit der Bananenschale: Wer sie anritzt und liegen lässt, wird sein schwarzes Wunder erleben.
Vermutlich wollte es vor rund vierhundert Jahren der Zufall, dass Schwarztee entdeckt wurde. Wir stellen uns das so vor: Da landet ein Sack frisch geernteter Teeblätter in der Ecke und gerät in Vergessenheit. Als der Bauer nach Monaten darauf stößt, ärgert er sich schwarz – so schwarz wie der Inhalt, den er nun vorfindet und von dem er glaubt, er sei verfault. Aber der Mann will nichts verschwenden. Er bereitet den in Wahrheit fermentierten und getrockneten schwarzen Tee zu und ist begeistert von diesem neuen Aroma… So könnte sie ausgesehen haben, die Geburtsstunde des schwarzen Tees.


Wer trinkt was und wie?

 

Nun ist es heutzutage nicht so, dass nur gänzlich unfermentierte Blätter als grüner und komplett durchfermentierte als schwarzer Tee durchgehen. Die Übergänge sind vielmehr fließend: Was weniger als halb oxidiert ist, gilt als Grüntee, und was sich zu über 50 Prozent umgewandelt hat, als Schwarztee. Die Zwischenform heißt Oolong und ist in China und Japan sehr beliebt, in letzterem besonders als Kaltgetränk an heißen Tagen. Ansonsten bleiben die Menschen in Fernost ihrem grünen Tee treu, eine Beziehung von 5000 Jahren wirft man eben nicht einfach weg. So lange nämlich wird diese Form – zumindest in China – schon getrunken.
In Europa und Zentralasien hingegen hält man es traditionell eher mit dem schwarzen Tee. Einerseits aufgrund seiner langen Haltbarkeit: Der Transport aus den Anbaugebieten dauerte im 19. Jahrhundert noch Wochen bis Monate – eine Zeit, die grüner Tee oft nicht überstand. Andererseits wegen seines erfrischenden Dufts und Geschmacks, hervorgerufen durch die ätherischen Öle, die sich bei der Fermentation prima entfalten konnten.
Genießen lässt sich Schwarztee auf verschiedene Weise. Teetrinker in Russland oder der Türkei schwören auf den Samowar: ein Kocher mit Kanne. Im einen Heißwasser, im anderen Teekonzentrat, die Stärke macht die Mischung aus beidem.
Der Westen hingegen bevorzugt den direkten Aufguss in der Teekanne. Dieser kommt etwa bei den Briten mit Milch oder Zitrone in die Tasse oder bei den Ostfriesen mit Kandis und Sahne. Und wer das reine Aroma liebt, der trinkt den schwarzen Tee pur.


Wo der Tee zu Hause ist

 

Was die Region Bordeaux für Rotwein, ist der Darjeeling für schwarzen Tee. Der Distrikt im Nordosten Indiens zählt zu den bedeutendsten Anbaugebieten weltweit. Hier, an den Südhängen des Himalajas herrschen optimale Bedingungen für den Gedeih der Camellia sinensis – so der wissenschaftliche Name der wohl am weitesten verbreiteten Teepflanze. Das spezielle feuchtwarme Klima sowie eine spezielle Kombination von Mineralstoffen im Boden verleihen ihr einen ganz speziellen Charakter. Der wiederum variiert zwischen den Erntestufen, wie sie die Teepflückerinnen (ausschließlich Frauen) nur im Darjeeling vollziehen: Der so genannte First Flush, die erste Pflückung, erfolgt im Frühjahr und bringt Blätter von zartem Aroma hervor. Die Sommerernte oder der Second Flush hat es da schon mehr in sich: Das Ergebnis zeigt sich in der dunkleren Färbung und im würzigeren Geschmack.
Als die wahre Heimat des Tees gilt neben China die Region Assam, ebenfalls im Nordosten Indiens. Hier wächst die Pflanze noch wild und existiert das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt. Über 600 Gärten produzieren eine besonders kräftige Sorte, die im Übrigen die Ostfriesen bevorzugen.
Auch Indiens Nachbar Sri Lanka ist bekannt für seinen Tee. Allerdings trägt der den Namen Ceylon, so hieß der Inselstaat bis zum Jahr 1972. Vielleicht ganz vernünftig: Es hat sich schon immer bewährt, Markennamen beizubehalten, auch wenn das Unternehmen wechselt. Ceylon-Tees werden gern in Großbritannien getrunken und besitzen ein malziges, mittelkräftiges Aroma mit einer Note von Zitrusfrüchten.