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Südkorea

Der »Daehan Tea Garden«



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Der »Daehan Tea Garden«

Es ist das durchgehende Holpern des Busses auf der unebenen Straße, das mich mit jedem Meter darauf aufmerksam macht, was außerhalb der Scheiben an mir vorbeizieht. Felder so weit wie der Himmel, die sich in zarten Tönen von Grün im Glas der Fenster widerspiegeln und mit jedem zurückgelegten Meter die Silhouetten der Wolken mit sich ziehen. Mein Ziel? Die Boseong Grüntee-Plantage, auch »Daehan Tea Garden« genannt.

Meine Reise führt mich nach Boseong (보성군), ein Bezirk in der im Süden liegenden Provinz South-Jeolla, die für den Anbau von hochwertigem Grünen Tee bekannt und an rund 40 Prozent des in Südkorea produzierten Grüntees beteiligt ist.

Gut zu wissen:
Der Literatur zur Folge begann die Kultivierung von Tee in Korea bereits während der Silla-Ära im Zeitraum 57 Jahre vor bis 935 Jahre nach unserer Zeitrechnung. In der Goryeo Dynasty wurde Tee primär in buddhistischen Tempeln und an den Palasthöfen angebaut. Während der Joseon Dynasty wuchsen die Teepflanzen in den Regionen Gyeongsang-do und Jeolla-do jedoch auf natürliche Art und Weise.


Der »Daehan Tea Garden«, einst zerstört durch den Krieg im Jahre 1939, ist seit dem Jahre 1994 eine offizielle Farm für Touristen und lockt als solche Menschen aus aller Welt an. Neben einer Pracht an Bäumen, Pflanzen und bunten Blumen beheimatet die Plantage auf dem weiten Gelände auch eine Vielzahl an Tieren.

Mit jedem Schritt auf dem weichen, mit Kies bedeckten Boden nähere ich mich dem Eingang zur Plantage, während ich vom Gesang der Vögel begrüßt werde und die süß-würzige Luft einatme. Die Plantage ist in fünf verschiedene Bereiche aufgeteilt, die von einem Bambuswald, einem Ahornwald, einem Zedernwald bis zu einem Eibenwald reichen und den Teegarten durch Treppen und Pfade miteinander verbinden.

Die dunklen Grüntöne des Zedernwalds tauchen den Weg zum Hauptplatz in ein schauriges Licht. Die Teefelder erstrecken sich auf dem vor mir liegenden Berg gen Himmel. Das Licht der Sonne verstärkt das intensive Grün der Teepflanzen, so dass ich das Gefühl habe, auf ein Gemälde zu blicken. Stufe für Stufe besteige ich den Hügel und bewundere die sich vor mir entfaltende Pracht an Grünteepflanzen, die sich durch die Temperaturbedingungen in Boseong den idealen Ort zum Gedeihen ausgesucht haben.

Der im »Daehan Tea Garden« produzierte Tee wird organisch angebaut und geerntet, was der Plantage im Jahre 2005 die Anerkennung als »Organic Green Tea Plantation« bescherte. Laut der Informationsbroschüre der Plantage gehören zu den idealen Bedingungen für den Anbau von imperial tea: 1. Jährlicher Niederschlag über 1500 mm und mehr; 2. Boden mit guter Luft- und Wasserpermeabilität; 3. kühles Klima; 4. ein reicher Umfang an Temperatur; 5. hohe Luftfeuchtigkeit durch nahegelegene Seen, Flüsse oder Meere.

Dass die Menschen aus Korea hier von einer besonderen Magie sprechen, kann ich nun nicht nur sehen und verstehen, sondern auch fühlen, während ich sanft über die Blätter der Grünteepflanzen streiche. Die Plantage gleicht einem Zwischenort, der mit dem Alltagsleben nur wenig zu tun haben scheint und die Menschen bei ihrem täglichen Teegenuss begleitet. Während ich vor mich hin träume und all die Pfade und Wege durchquere, freue ich mich bereits auf eine frische Tasse Tee in dem kleinen Teehaus am Hauptplatz.

Am Gipfel der Plantage angekommen, bietet sich mir ein atemberaubender Ausblick, den ich wohl nie wieder vergessen werde. Das Meer und der Himmel erstrecken sich in der Weite und rahmen die vor mir liegenden Bergkämme und Wälder in ein sanftes Blau. Die Teeplantage gleicht einem geflochtenen Teppich, der durch die sanften Erdtöne des Bodens und der Baumstämme intensiviert wird. Der letzte Satz der Broschüre lautet: »Please cherish and love our Daehan Tea Garden like a beautiful painting.« Das tue ich in diesem Moment.

Wieder zurück am Hauptplatz angekommen, auf dem sich neben diversen Cafés auch ein Restaurant und ein Souvenirshop befindet, betrete ich das kleine Teehaus, das frischen Grüntee der Plantage serviert. Es handelt sich bei dem servierten Tee um die erste Ernte des Jahres, auch »Woojeon Tea« genannt, die geschmacklich besonders sanft und frisch ist, jedoch nur in geringer Menge produziert wird.

In Südkorea werden Teeblätter nur drei- bis viermal pro Jahr geerntet, was den Geschmack und die Qualität des Tees bestimmt. Es gibt fünf verschiedene Arten von Grüntee in Südkorea, die sich aufgrund der Erntezeiten unterscheiden. »Woojeon Tea« wird aus den ersten jungen Teeblättern hergestellt und vor April geerntet. »Sejak« stellt den populärsten Grüntee dar und wird Anfang Mai geerntet. »Sejak« wird auch gerne als »Jakseol« bezeichnet, da die Blätter der Zunge eines Vogels ähneln. »Jungjak« zeichnet sich durch einen ausgewogenen Geschmack aus und wird Mitte Mai geerntet. »Daejak« wird aus reiferen Teeblättern produziert, die Ende Mai geerntet werden. Die letzte Ernte nennt sich »Yep Cha« und wird aus den vollkommen ausgereiften Teeblättern zwischen Juni und Juli produziert – der Zeit in Korea, in der man traditionell das Trinkwasser kochte.

Es ist ein bemerkenswertes Gefühl, auf traditionelle koreanische Weise Tee zu trinken, der direkt aus den Blättern der Plantage zubereitet wird, auf der ich mich gerade befinde. Nach diesem Erlebnis bewege ich mich weiter durch die Pfade des Teegartens und freue mich bereits auf den nächsten Tag, den ich wieder hier verbringen werde.

Übrigens: Aus den Teeblättern wird nicht nur Tee zubereitet, sondern auch Speisen und Süßigkeiten. Darüber werde ich in der nächsten Episode berichten.

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